[400 n. Chr]

DIE GOLDHÖRNER VON GALLEHUS

Die Goldhörner von Gallehus waren zwei aus Gold gefertigte Trink- oder Blashörner, die 1639 bzw. 1734 in Gallehus in der Nähe von Tondern im Süden Jütlands gefunden wurden. Sie werden in die Zeit um 400 n. Chr. (germanische Eisenzeit) datiert und gehören zu den berühmtesten archäologischen Funden Dänemarks. Auf ihnen befindet sich eine frühe Runeninschrift in nordwestgermanischer Sprache. Die kostbaren Hörner erlangten wegen der rätselhaften Bildmotiveund der für die germanischen Sprachwissenschaften wertvollen Runeninschrift auf dem kürzeren Horn große Bekanntheit.

Im Jahr 1802 wurden die Hörner vom Goldschmied und Uhrmacher Niels Heidenreich gestohlen und eingeschmolzen. Sie sind heute nur durch Zeichnungen (Stiche) und Beschreibungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert bekannt. Die Runeninschrift in nord- oder westgermanischer Sprache befand sich auf dem kürzeren der zwei Hörner. Die Transliteration der Runenzeichen lautet:

ek hlewagastiz : holtijaz : horna : tawido

Übersetzung:
ich hlewagastiz : holtijaz : horn : machte

[500 - 600 n. Chr.]

DIE LIEBESINSCHRIFT VON BÜLACH

Die Liebesinschrift von Bülach wurde 1927 in Bülach (Zürich) auf der in einem Frauengrab eines Reihengräberfeldes gefundenen Scheibenfibel entdeckt.

Alter: ca. 560 – 600 n. Chr.
Herkunft: alamannisch od. fränkisch.

600 Meter nördlich von der heute reformierten Kirche Bülach, in der sich das Grab der alamannischen Adligen aus dem Jahr 650 befindet, liegt das Grabfeld Im Füchsli, in dem im Grab mit der Nummer 249 die Fibel aus Bülach gefunden wurde. 

Die Runen Inschrift lautet:
frifridil du ftd/m i/i

Deutung 1:
[dein] Liebliebster, [der] das Glied [hat] – Du, [die] die Vulva [hat], nimm mich in dich auf! Glied - Glied (Klingenberg)

Deutung 2:
Frifridil – Du, umfasse mich! Lauch (Gedeihen) – Lauch (Gedeihen) (Krause)

[750-1050 n. Chr.]

ALT HOCHDEUTSCH

Mit „Althochdeutsch“ (Ahd) wird nicht eine frühe Stufe der heutigen normierten und vereinheitlichten Standardsprache (volkssprachlich: „Hochdeutsch“) verstanden, sondern „Althochdeutsch“ ist ein SAMMELBEGRIFF für verschiedene frühmittelalterliche Stammesdialekte. Es gibt alt-fränkisch, alt-alemannisch, alt-bairisch, alt-sächsisch, alt-friesisch.

Vom 5. bis 7. Jahrhundert wurde nur WENIG VOLKSSPRACHLICHES aufgeschrieben, allerdings noch nicht mit lateinischen Buchstaben auf Pergament, sondern in Runenschrift auf beweglichen Gegenständen (siehe: Bülacher Fibel). 60 kurze Runeninschriften habensich erhalten. Markantestes Zeichen des „Althochdeutsch“ ist die 2. LAUTVERSCHIEBUNG, mit der sich das „Althochdeutsch“ aus einem späten westgermanischen Verband herauslöste.

„Ein einheitliches Althochdeutsch oder gar eine althochdeutsche Schriftsprache hat es nicht gegeben“ (Braune).

Das Wort „deutsch“ erscheint zum 1. Mal in einem Dokument aus dem Jahre 786 in der mittellateinischen Form „theodiscus“.

[um 750 n. Chr.]

ST. GALLER PATERNOSTER (COD. 911)

Der Codex Sangallensis 911 ist eine Sammelhandschrift mit einer Abrogansschrift, dem St. Galler Paternoster und dem Credo, die zusammen zu den ältesten althochdeutschen Quellen zählen und Ende des 8. Jahrhunderts entstanden sind. Die Abrogans-Handschrift wird heute in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt. Dabei handelt es sich um ein Wörterbuch lateinischer Sprache mit althochdeutschen Übersetzungen, welches nach dem Verfassen durch ein Paternoster (Vaterunser) und ein Credo (Glaubensbekenntnis) in althochdeutscher Sprache ergänzt wurde.

Die Sammelhandschrift trägt die Bezeichnung Abrogans-Handschrift, aufgrund des ersten Wortes der ersten Handschrift (das Wörterbuch): abrogans = dheomodi (bescheiden,demütig).

Alle drei Texte sind auf teilweise schlechtem und löchrigem Pergament in karolingischer Minuskel durch mehrere Schreiber niedergeschrieben worden. Die Verwendung von minderwertigem Pergament weist darauf hin, dass die Handschrift nicht für die Öffentlichkeit, sondern für den internen Gebrauch gedacht war. Sie ist vermutlich schon in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts in ihrer heutigen Zusammenstellung aus der Umgebung des Elsass nach St. Gallen gelangt.

[750 n. Chr.]

MERSEBURGER ZAUBERSPRÜCHE

Die Merseburger Zaubersprüche sind nach dem Ort ihrer Auffindung in der Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg benannt. Dort wurden sie 1841 vom Historiker Georg Waitz in einer theologischen Handschrift des 9./10. Jahrhunderts entdeckt und 1842 von Jacob Grimm erstmals herausgegeben und kommentiert. Die zwei Zauberformeln sind in althochdeutscher Sprache niedergeschrieben. Sie nehmen Bezug auf Themen und Figuren der vorchristlichen germanischen Mythologie. Die Interpretationen sind vielfältig. 

Der erste Zauberspruch gilt gemeinhin als ein Lösezauber von Fesseln eines Gefangenen (Kriegers).

Merseburg Domkapitel Cod. 136, fol. 85r zeilengenau übertragen (Wikisource.org)
Eiris sazun idisi sazunheraduoder suma
hapt heptidun sumaherilezidun sumaclu
bodun umbicuonio uuidi insprinc hapt
bandun inuar uigandun · H

Freie Übertragung in Dornbirner Mundart von Ulrich Gabriel:
Amol hockan idisi, hockan hehr doda etle
händ haft gheftat etle heero leaz too etleklup
pand rund om tods fessla spring usso haft
banda renn dm feind drvo . H

 

Der zweite Zauberspruch gilt als Heilungszauber eines verletzten (verrenkten) Pferdefußes.

Merseburg Domkapitel Cod. 136, fol. 85r zeilengenau übertragen (Wikisource.org)
Phol endeuuodan uuorun ziholza du uuart
demobaldares uolon sinuuoz birenkict
thu bigolen sinhtgunt · sunnaerasuister
thu biguolen friia uolla erasuister thu
biguolen uuodan sohe uuolaconda
sosebenrenki sose bluotrenki soselidi
renki ben zibenabluot zibluoda
lid zigeliden sosegelimida sin

Freie Übertragung in Dornbirner Mundart von Ulrich Gabriel

Phol und wodan fahrend i s’Holz do heat
demobalders folo sinfuoß varrenkt
do bspriocht’n sinhtgunt|sunna ire schwöschtr
do bspriocht’n friia, uuolla, ihre schwöschtr do
bspriocht’n uuodan, so guot ar’s heat künno:
sose sbuo renk i sose sbluot renk i sose sglid
renk i buo zn büonr bluot zn blüötr
glied zn gliedr so söllonds gliimat si.

[um 840n. Chr.]

LORSCHER BIENENSEGEN

Der Lorscher Bienensegen gehört zu den ältesten gereimten Dichtungen. Der Zaubersegen wurde im 10. Jhdt. kopfüber an den unteren Rand einer Seite der apokryphen Visio St. Pauli aus dem frühen 9. Jhdt. geschrieben und wurde ab ca. 900 im Kloster Lorsch aufbewahrt. Seit 1623 ist sie in der Biblioteca Apostolica Vaticana. Der Spruch sollte wohl ein schwärmendes Bienenvolk an einen Bienenstock rufen. Englische Linguisten haben Ähnlichkeiten mit dem altenglischen Bienensegen „Charm wiþ ymbe“ festgestellt.

Kirst, imbi ist hucze!
nu fluic du, vihu minaz, hera
fridu frono in godes munt
heim zi comonne gisunt.
sizi, sizi, bina:
inbot dir sancta Maria.
hurolob ni habe du:
zi holze ni fluc du,
noh du mir nindrinnes,
noh du mir nintuuinnest.
sizi vilo stillo,
uuirki godes uuillon.

Übertragung in Mundart von Ulrich Gabriel

chrischt, d‘imma siond usse
nu flüg du, veah mins, her
friedle herrle in gottes mund
huom i kommune gsund
sitzi, sitzi, biena:
seit dr d‘heilig Maria
arloubnis heascht nid, du
zm i s’holz flügo, du
tur mir nid entrionno
no tur mr vrschwiondo
sitz ganz im schtillo
wirk i gotts willo

[820-900 n. Chr.]

AUS EINHARDS VITA CAROLI MAGNIM


MONATSNAMEN
Et de mensibus quidem
januarius uuintarmmᾱnōth
februarium hornung
martium lentzimᾱnōth
aprilem starmᾱnōth
maium uuinnemᾱnōth
junium brᾱchmᾱnōth
julium heuuimᾱnōth
augustum aranmᾱnōth
septembrem uuitumᾱnōth
octobrem uuindumemᾱnōth
novembrem herbistmᾱnōth
decembrem heilagmᾱnōth
appelavit

DER WIENER HUNDESEGEN

Der Wiener Hundesegen ist ein althochdeutscher Prosa-Segensspruch, der den heiligen Martin anruft, um Hunde vor Gefahren, im Speziellen vor Wölfen, zu bewahren. Dieser Segensspruch gehört in eine Reihe ähnlicher Segenssprüche des Althochdeutschen. Ursprünglich kann es sich um einen Hirtensegen gehandelt haben, der umgedeutet wurde.

Der Hundesegen ist als Eintrag auf fol. 107r in einem Manuskript aus dem 10. Jahrhundert überliefert, das lateinische Passiones enthält und vom Hofe Ludwigs des Deutschen stammt. Dieses befindet sich unter der Signatur Codex 552 in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

[aktuell]

DIE MUNDARTEN VORARLBERGS

Gebiete der Einzeldarstellungen

  1. Nördliches Unterland
  2. Südliches Unterland
  3. Nördliches Oberland
  4. Südliches Oberland
  5. Nördlicher Walgau
  6. Südlicher Walgau
  7. Montafon
  8. Allgäu
  9. Vorderwald
  10. Innerwald
  11. Walsertäler
  12. Tannberg und Klostertal