[2500 bis 500 v. Chr.]

DIE INDOEUROPÄISCHE SPRACHFAMILIE

Die indoeuropäische Sprachfamilie ist mit über 2 Milliarden Sprecher-Innen eine der größten und war ursprünglich auf den europäischen Raum beschränkt. Durch  Sprachvergleich rekonstruierte man eine Grundsprache. Der Zeitraum des rekonstruierten Indoeuropäisch erstreckt sich von 2500 bis 500 v. Chr.

[ab 500 v. Chr.]

DIE GERMANISCHE SPRACHFAMILIE

Seit Ende des 2. Jahrtausends lässt sich über die Trichterbecherkultur mit der Schnurkeramikkultur im Gebiet der unteren Elbe und Oder, des heutigen Dänemark, in Südnorwegen und Südschweden ein einheitlicher Kulturkreis nachweisen. Der Name Germanen ist nach Tacitus (55 –116 n. Chr.) noch neu.

Das Germanische unterscheidet sich vom Indogermanischen durch den Wortakzent, der vom freien Akzent nun auf die Stammsilbe fällt. Es kommt zur Reduktion von Formen, zur Entwicklung von schwachen Verben und zur Verschiebung bei den Verschlusslauten. Die 1. Lautverschiebung fand zwischen 500 und 100 v. Chr. statt.

[500 v. Chr. bis 600 n. Chr.]

DIE RUNENSCHRIFT „Fuђark“

Die „Germanen“ entwickelten in Anlehnung an alpine Schriften der Räter, Illyrer und Veneter für kultische Zwecke eine spezifische Runenschrift, die nach den ersten 6 Buchstaben „Fuђark“ genannt wird und aus 24 Zeichen besteht. Von diesem Runen-Germanisch sind drei Runen-Inschriften als Sprachdenkmäler besonders interessant:

1. Der Negauer Helm B[500 v. Chr.] Fundort Negau ehem. Steiermark
2. Die Goldhörner von Gallehus [400 n. Chr.] Fundort Dänemark
3. Die Liebesinschrift von Bülach [600 n. Chr.] Fundort Schweiz, Bülach

[500 V. Chr.]

HARIGASTITEIVA DER HELM VON NEGAU

1811 wurden im Dorf Zenjak (Slowenien) – etwa 13 km südwestlich von Bad Radkersburg – in der Herrschaft Negovia (Negau), das bis 1919 im Herzogtum Steiermark lag, beim Pflügen 26 hallstattzeitliche Helme aus Bronze gefunden. Auf einem Helm (B) des rätselhaften archeologischen Fundes findet sich eine Inschrift in norditalischem Runen-Alphabet. Sie lautet von links nach rechts:

A V I E T I T S A G I R A H

Aus dem Depotfund sind heute noch 23 HELME ERHALTEN, 12 gelangten in die Wiener Antikensammlung, weitere Exemplare werden in Graz, Ljubljana, Berlin und München verwahrt. Sie sind um 500 v. Chr. entstanden und wurden im späten 2. oder frühen 1. Jhdt. v. Chr. vergraben. Der Grund dafür ist nicht bekannt.

Für die Sprachforschung erlangte die Inschrift, die in die Krempe von Helm B geritzt wurde, Berühmtheit. Von re nach li geschrieben nennt sie den vermutlich germanischen Namen HARIGAST. Nach Robert Nedoma handelt es sich um eines der ältesten germanischen Sprachdenkmäler. Die Deutung des Namens ist umstritten. Eine Variante (Werner König) lautet: harjis = Heer, gasts = Gast, teiv = týr, tivar, ein Göttername.

[500 V. Chr.]

DER FUNDBRIEF VON NEGGAU

Seite 1 Unterzeichnet: Herrschaft Neggau d 24tn Hornung  (1)812. Alois Sentscher p m Pachter

Auszug aus dem Fundbrief:

(…) Ich besitze in der Gemeinde Schaniagg einen Hubweingarten, an welchem sich ein kleines Ackerl, welches vorhin ein verstorbener Winzer benutzet hat, anschlieset. Dieses Ackerl wurde vorher, weil es sehr abhangieg liegt, von dem Winzer nur blos mit der Haue behacket. Nun, da ich keinen Winzer mehr habe, wollte ich dieses Ackerl selbst und besser brauchen. Ich fing es im vorigen Jahre zu ackern an, und als ich dasselbe im Herbste, nemlich im Monath November zum 3ten Mahle akerte sties ich unterhalb des Ackers auf den vorletzten Piefung [Bifang] mit den Pflug auf einen harten Korper, und warf ihn heraus. Bei Besichtigung des Gegenstandes uberzeugte ich mich sogleich,/ d(a)s es kein Stein, sondern etwas von Eisen sey. Als ich den gefundenen Gegenstand noch naher betrachtete, so bemerkte ich aus den Trummern desselben d(a)s es ein Helm gewesen seyn muse. Die Neugierde etwas meheres, oder wohl gar Geld zu finden, reitzte mich, und ich, und mein Sohn fingen an zu graben. Wir brauchten keinen langen Zeitaufwand, als wir sogleich auf die ubrigen Helme kamen, und deren 25 Stucke, wovon einer in dem andern steckte, ausgruben. Die meisten hievon waren schon zerbrochen, und vom Roste zerfresen; Nur 6 oder 7 Stucke, die dichter in einander steckten, und von der aussern Einwirkung der Witterung verwahret waren, fanden sich noch zimlich gut dabey. Sonst hatten wir gar nichts gefunden, und da wir an dem Orte, wo die Helm lagen nichts mehr finden konnten, so gaben wir uns auch keine Muhe mehr, weiter zu gruben, und den Acker naher zu untersuchen … (…)

[um 350 n. Chr.]

DAS GOTHISCHE VATERUNSER

Gotisch ist die einzige überlieferte ostgermanische Sprache und die älteste überlieferte Schriftform des Germanischen und wurde gesprochen in der römischen Provinz Dakien (Gebiet des heutigen Rumänien und Moldawien), auf der Krim, Gallia Narbonensis (Südfrankreich), Hispanien. Im 4. Jahrhundert übersetzte der gotische Bischof Wulfila (311–383) mit einer Gruppe von Übersetzern die Bibel ins Gotische nach Vorlage der griechischen Bibel. Für seine Übersetzung erfand Wulfila die gotische Schrift, während die Goten bis dahin mit Runen schrieben. 

Die Übersetzung entstand in Nicopolis ad Istrum im heutigen Bulgarien. Von der Wulfilabibel sind mehrere Handschriften aus dem 6. bis 8. Jahrhundert mit einem großen Teil erhalten, die hauptsächlich aus Italien stammen.

DER CODEX ARGENTEUS DIE "SILBERBIBEL"

(Universitätsbibliothek Uppsala) umfasst insgesamt 188 Blätter und ist mit  silber- und goldfarbener Tinte auf purpurfarbenes Pergament geschrieben